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06
Apr 16

Barrierefreiheit im Internet

Viele Webseitenbetreiber (m/w) stehen seit einigen Monaten vor der Frage: was ist Barrierefreiheit und was hat das mit meiner Seite zu tun? Wir bei medani beschäftigen uns seit einigen Jahren aktiv mit diesem Thema und möchte die Chance für eine kleine Übersicht nutzen.

Rechtliches:

Seit 01.Jänner 2006 gibt es in Österreich die gesetzliche Regelung zur umfassenden Geleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGBl. I Nr. 82/2005). Im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) wird die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im täglichen Leben geregelt und es ist ein Diskriminierungsverbot enthalten. Dieses Gesetz (BGStG) ist seit 01.01.2016, nach einer 10 jährigen Übergangsfrist, im vollen Umfang in Kraft. Daher müssen seit diesem Stichtag alle Waren, Dienstleistungen und Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt und frei zugänglich sind, barrierefrei angeboten werden.

 

Im Bundesbehindertengesetz, bereits im §1, werden die Rechte von Behinderten Menschen deutlich gestärkt und festgehalten:

(1) Behinderten und von konkreter Behinderung bedrohten Menschen soll durch die in diesem Bundesgesetz vorgesehenen Maßnahmen die bestmögliche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gesichert werden.

Im 2.Absatz ist eine wichtige, leider auch sehr grobe, Definition zum Thema „Behinderung“ zu finden:

(2) Unter Behinderung im Sinne dieses Bundesgesetzes ist die Auswirkung einer  nicht  nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen  Funktionsbeeinträchtigung  oder Beeinträchtigung der  Sinnesfunktionen  zu  verstehen,  die  geeignet  ist,  die  Teilhabe  am  Leben  in  der Gesellschaft zu erschweren. Als nicht nur vorübergehend gilt ein Zeitraum von mehr als voraussichtlich sechs Monaten.

Des Weiteren hat Österreich 2008 die UN-Konvention (UN-Übereinkommen) über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert.

 

In der Österreichischen Verfassung ist folgendes zu diesem Thema festgehalten:

Artikel 7. (1) Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.

Zusätzlich haben auch die Länder eigene Anti-Diskriminierungs-Gesetze. Ziel dieser unterschiedlichen Regelungen und Gesetze ist die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und dem Abbau von möglichen Diskriminierungen im alltäglichen Leben.

 

Was muss ich als WebseitenbetreiberIn beachten?

In Österreich gibt es bis heute keine klare Vorschrift, welche Konformität eine Webseite mindestens für die Barrierefreiheit einhalten muss/soll. Viele Behörden, Ämter und private, öffentlich zugängliche Webseiten orientieren sich daher an den Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 Level A bzw. AA . Die Level A/AA/AAA geben hierbei an, wie viele der vorgeschlagenen Kriterien tatsächlich umgesetzt worden sind. Vereinzelte Kriterien für Level AAA sind in der Praxis sehr schwer tatsächlich realisierbar, weshalb sich viele Webseitenbetreiber an den Kriterien für Level A und AA orientieren. Um z.B. Level AA konform zu sein, muss man alle Kriterien Level A und Level AA abdecken. Wichtig ist hierbei, dass die Konformität immer für die gesamte Webseite betrachtet wird. Beispiel: Teile der Webseite entsprechen den Kriterien für Level AAA und andere Teile der Webseite decken alle Anforderungen für  Level AA ab –> die Webseite in unserem Beispiel ist somit WCAG 2.0 Level AA konform.

 

Was ist WCAG 2.0?

WCAG 2.0 besteht aus 4 Prinzipien (Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich, Robust), an den Prinzipien orientieren sich 12 Richtlinien (1.1 Textalternativen, 1.2 Zeitbasierte Medien, 1.3 Anpassbar, 1.4 Unterscheidbar, 2.1 per Tastatur zugänglich, 2.2 Ausreichend Zeit, 2.3 Anfälle fördernd, 2.4 Navigierbar, 3.1 Lesbar, 3.2 Vorhersehbar, 3.3 Hilfestellung bei der Eingabe, 4.1 Kompatibel), diese Richtlinien sind in 61 Erfolgskriterien und viele Techniken unterteilt. Mit WCAG 2.0 erhalten Webseitenbetreiber die Möglichkeit die Barrierefreiheit objektiv zu bewerten und transparent darzustellen.

 

Haben Sie mehr Fragen zu diesem wichtigen Thema, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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